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Prediger 2008

 

 

 

 


Rudolf Stertenbrink OP
Geistlicher Schriftsteller

P. Rudolf Stertenbrink OP

 
SchriftgrößeSEITE 2 | THÉRÈSE VON LISIEUX
DU TRÄGST DAS ALL UND DENKST AN MICH

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Als Theresia am 8. April 1888 in den Karmel eintrat, erklärte Msgr. Delatroëtte, der Seelsorger des Karmels, der Priorin:

Im Auftrag des hochwürdigsten Herrn Bischofs übergebe ich Ihnen dieses 15-jährige Kind, dessen Eintritt sie gewollt haben. Ich wünsche Ihnen, dass es Ihre Hoffnungen nicht enttäuscht; aber ich mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie allein die Verantwortung dafür tragen, wenn es anders kommt, als Sie erwarten.

Es kam tatsächlich ganz anders. Wer hätte das gedacht?

Bekannt ist die Anekdote, die Isa Friedericke Görres wie folgt berichtet:

Vom Fenster ihres Krankenzimmers hörte Theresia in den letzten Monaten ihres Leidens, wie eine Nonne zur anderen sagt: »Schwester Theresia wird bald sterben. Was wird unsere Mutter Priorin in ihrem Totenbrief schreiben können? Sie trat bei uns ein, lebte und starb - mehr ist wirklich nicht zu sagen.« -

Therese von LisieuxDann nahm die »Geschichte einer Seele ihren Lauf, und innerhalb kürzester Zeit wurde sie in alle Weltsprachen übersetzt.

»Meine Grabstätte bedeutet mir wenig«, sagte Theresia einmal. »Mag sie sein wo immer, was tut's? So viele Missionare sind im Magen von Menschenfressern begraben, und der Friedhof von Märtyrern lag im Leib der wilden Tiere.« (CS 179 f.) -

Heute ruhen die Gebeine der Heiligen in der ihr zur Ehre errichteten monumentalen Basilika, die 1937 von Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., eingeweiht wurde. Das kostbare Reliquiar wurde von Papst Pius XI. gestiftet.

Die Familie wünschte sich immer einen Sohn, der einmal Missionar würde. Er wurde ihr nicht geschenkt. - Aber es dauerte nicht lange, da wurde Thérèse von Lisieux zur Patronin der Weltmission ernannt.

 

»Im Kleinster das Größte«

Nach diesen Hinweisen stellt sich uns die Frage: Wie ist der Werdegang vom Unscheinbaren und Unauffälligen zum Unübersehbaren bei Therese zu erklären? Die Antwort gibt sie uns selbst. In einem Brief vom 7. September 1890 schreibt sie: »Welche Verbindung, und welche Zukunft« (LT 116/7. 9. 90).

Dieses kurze Wort beschreibt das Geheimnis des Lebens, das an Gottes Liebe zu glauben wagte und sich vollkommen seiner Führung überließ. Dabei dürfen wir nicht übersehen, dass eine solche Verbindung mit Gott nicht von heute auf morgen geschieht.

Man erreicht sie nur auf einem »Weg«, den man Schritt-für-Schritt im Glauben zu gehen sucht. Durch diesen Weg, den so genannten »Kleinen Weg«, ist Theresia weltberühmt geworden. »Klein« nennt man diesen Weg deshalb, weil ihn jeder gehen kann.

Doch wir müssen sofort hinzufügen, worauf Walter Nigg mit der ihm eigenen Treffsicherheit aufmerksam macht:

Dieser Weg, den sie lehrte, ist nur scheinbar klein, und man macht sich keiner geistlichen Taschenspielerei schuldig, wenn man ihn als sehr groß bezeichnet ... Von ihm gilt das Wort Hölderlins: 'Oft offenbart sich im Kleinsten das Größte'.

Mit ihrer Lehre vom kleinen Weg hat Theresia eine neue Art von Heiligkeit gefunden, die den Heroismus in das Gewand des Unscheinbaren kleidet. Eine neue Bahn hat sich eröffnet, der für die moderne Heiligkeit ungeahnte Bedeutung zukommt.

Der »Kleine Weg« von Theresia ist so groß, dass Papst Pius XI. in seiner Rede bei der Heiligsprechung sagen konnte: »Wenn dieser Weg ... allgemein beschritten würde, wie leicht vollzöge sich dann die Wandlung zum Besseren in der menschlichen Gesellschaft.«

Diesen »Kleinen Weg« hat Theresia sich nicht am Tisch ihrer kargen Klosterzelle ausgedacht; sie hat ihn vielmehr intuitiv gesehen. Dabei beschreibt sie das von ihr Geschaute in der Regel in knapp bemessenen Sätzen oder treffsicheren Bildern, die in verblüffender und origineller Weise zum Ausdruck bringen, was sie sagen will.

Hans Urs von Balthasar schreibt in diesem Zusammenhang:

Mir ist in neurer Zeit kein heiliggesprochener Christ bekannt, der ein solches dichterisches Vermögen gehabt hatte wie Theresia von Lisieux. Die Bilder sprudeln unter ihrer Feder nur so hervor, immer originell, immer ins Schwarze treffend. Sie illustriert damit ihre Lehre vom 'Kleinen Weg', die damdurch noch farbiger, verständlicher, anziehender wird.

Wie sehr dies stimmt, sehen wir, wenn es jetzt um die Frage geht, was denn das Charakteristische an diesem Weg ist.

 

Lesen weiter,
was das Charakteristische am »Kleinen Weg« ist.

 

 

 
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