Die Dominikaner in Hamburg
vor der Reformation (1236-1529)
Bereits 15 Jahre nach dem Tod des Ordensgründers und der im gleichen Jahr begründeten Provinz Teutonia (1221), entsandte der Provinzial 1236 mit Zustimmung des Erzbischofs von Bremen, Gebhard II. zu Lippe, die ersten Predigerbrüder nach Hamburg.
In den Jahren zuvor hatte Gebhard Frieden zwischen Dänemark und dem Haus Schaumburg in Holstein und Schwerin gestiftet, der ein Apostolat der Dominikaner in Hamburg erst möglich machte. Gebhard II. war der 25. Nachfolger des hl. Ansgar auf dem Bischofsstuhl.
Niederlassung der Dominikaner (1236-1240)
Der Dominikanerorden ließ sich 1236 in Hamburg an der Stelle nieder, der heute als Rathausmarkt bekannt ist. Seinerzeit lag dieser Ort jedoch nicht in der Mitte der Stadt, sondern am äußersten Rand. 1240 wurde das Dominikanerkloster Sankt Johannis eröffnet.
| Insofern verwundert es nicht, wenn unterschiedliche Quellen mal das Jahr 1236, dann aber das Jahr 1239 als Gründungsjahr des Sankt Johannis-Klosters angeben; Forschungen hierzu sind als noch nicht gänzlich abgeschlossen zu betrachten. Als gesichert gilt aber, das sich Dominikaner seit 1236 zur Vorbereitung der Klostergründung in der Stadt aufhielten. |

Nach der stadtgeschichtlichen Überlieferung ist das Stadtkloster der Dominikaner eine Gründung des Schauenburger Grafen Adolf IV.
Berichtet wird von zwei einzelnen Dominikanerbrüdern, Borchard und Otto von Meding, die bis zur Fertigstellung des Klosters im Hause des Ratsherrn Hartwig von Erteneburg Aufnahme fanden. Der Ratsherr hat offenbar mehrfach in Begleitung der Mönche mit Adolf IV. über eine Niederlassung des Ordens in der Stadt verhandelt.
Soviel ist sicher: In Hamburg befürchteten Domgeistlichkeit und Pfarrherrn von Anfang an, dass die Niederlassung der Bettelorden (auch die Franziskaner waren bereits in der Stadt tätig) ihre eigenen Einnahmen ganz erheblich schmälern könnten, denn Hamburg besaß am Beginn des 13. Jh. nur etwa 10.000 Bürger. Erst längere Verhandlungen und dazu das Gewicht des Schauenburger Grafen als Fürsprecher konnten den Widerstand brechen.
Gründungslegende
Die Chronik des Hermann von Lerbek, eine Chronik des Schauenburger Grafenhauses für den Zeitraum zwischen 1030 – 1404, liefert zusätzliche Einzelheiten, die vor allem deshalb besonders interessant sind, weil Lerbek selber Dominikaner in Minden war und daher als nicht ganz unparteiisch anzusehen ist:
Als nun Adolf sah, dass auch er von Gott barmherzig erhört war, so begann er sich den göttlichen Dingen mit Eifer zuzuwenden. Mitten in seinen Großtaten setzte er das Reich Gottes allem übrigen voran und baute Klöster und Kirchen. In Hamburg das Kloster St. Johannis des Täufers und St. Johannis des Evangelisten, in das er die Brüder des Predigerordens setzte, nachdem ein wohlbekanntes Wunder vorangegangen war.
Die Gründungslegende, auf die das „wohlbekannte Wunder“ abhebt, beinhaltet, dass der Besitzer des Grundstücks, auf dem das Dominikanerkloster später entstand, bezeichnet als „Redder“ (Ritter), mehrfach einen Brief auf diesen Platz habe vom Himmel niederfallen sehen.
Er war außen schwarz und innen weiß und mit goldenen Buchstaben geschrieben. Die in dem Brief enthaltene Aufforderung war klar und die Interpretation der Geschichte jedermann verständlich. Man begriff die Beschreibung des Briefes ohne weiteres als Anspielung auf die Tracht der Dominikaner, die über einem weißen Untergewand einen schwarzen Überwurf (Chormantel) trugen, und die Botschaft als eine Aufforderung Gottes.
Da sie in goldenen Buchstaben geschrieben war, konnte sie nur derselben himmlischen Sphäre entstammen, in die der Goldgrund die Heiligenfiguren auf den Altären versetzte. Sie sollte den Grundstücksbesitzer also im Namen des Herrn veranlassen, den Dominikanern eine Heimstatt an diesem Platze zu gewähren.
Exkurs: Verbreitung des Predigerordens (= Dominikaner)
im Deutschland des 13. Jahrhunderts
Zu den Anfängen der Dominikaner in Deutschland sei kurz angemerkt, dass sie seit 1225 im Rahmen ihrer Provinz Sachsen Konvente in Magdeburg und auch in Bremen besaßen, gefolgt von der Niederlassung 1229 in Lübeck, Erfurt und Leipzig,
1231 in Halberstadt, 1232 in Utrecht und 1234 in Minden.
Die Verbreitung nach Norden erfolgte von der ältesten Niederlassung in Köln (1221) her. Der Zahl nach stiegen die zunächst als Teutonia zusammengefassten Gründungen rasch an und machten deshalb eine Untergliederung der Verwaltung nötig. 1303 wurden 51 Mönchs- und 9 Nonnenklöster in der Provinz Saxonia zusammengebunden.
Tätigkeit der Dominikaner von Klostergründung
bis zur Reformation (1240-1529)
Über das praktische Wirken der Predigerbrüder in den Jahrhunderten bis zur Reformation ist wenig überliefert. Es wurde kontinuierlich an Kirche und Kloster gebaut, so dass der Chronist über eine Gebäudeweihe des Bremer Erzbischofs Borchard Grelle (1327-1344 im Amt) berichtet, womit nur ein Erweiterungsabschnitt gemeint sein kann.
1424 schloss die Englandfahrer-Gesellschaft in Hamburg einen Vertrag mit dem Dominikanerbruder Meister Francke zur Lieferung einer Altartafel ab, die in der Kirche St. Johannis aufgestellt werden sollte, wo diese Bruderschaft beheimatet war.
Heute finden wir das Kunstwerk in der Hamburger Kunsthalle. Die Deutsche Post AG hat zu Weihnachten 2006 eine Wohlfahrtsmarke mit einem Teilmotiv herausgegeben.

Meister Francke war Dominikaner und hat um1424/25 in Hamburg gelebt. Der Künstler scheint seinen Aufenthalt mehrfach gewechselt zu haben. Dominikaner waren als Bettelmönche Wanderprediger und nicht lebenslang an ein bestimmtes Kloster gebunden. Neben seiner Beteiligung an der Malerei des Englandfahrer-Altars ist seinerseits oder durch das Kloster generell auch eine Mitwirkung an dessen ikonographischem Programm anzunehmen. Nach allem, was wir wissen, hatte Meister Francke den zweithöchsten Grad im Rahmes des Theologiestudiums erworben, d.h. er scheint Magister („Meister“) seines Ordens gewesen zu sein.
Es werden weitere künstlerische Arbeiten im Bereich der Hansestädte mit ihm in Verbindung gebracht, wobei die Forschungen hierzu als nur vorläufig abgeschlossen gelten können. Seine Urheberschaft für den genannten Altar ist durch eine Kontraktabschrift von 1541 urkundlich gesichert, die ihn als den beauftragten Maler der Englandfahrer für die Schaffung des Thomas-Altares ausweist. In der Hamburger Kunsthalle wird der Altar heute fast vollständig gezeigt. Die Außentafeln der zweiten Seitenflügel gelten bisher als verloren. |
Marienverehrung in Hamburg
1475 wurde die Rosenkranz - Bruderschaft der Dominikaner in Köln begründet. Die Madonna selber soll - einer Legende nach - dem Hl. Dominikus den Rosenkranz gereicht und ihm dessen Gesetze erklärt haben. Das Rosenmotiv der Jungfrau erhielt damit eine besondere Bedeutung für den Orden.
Am 7. Oktober feierte der Dominikaner - Konvent zu Ehren der Jungfrau Maria, die hier als Rosa mystica verehrt wurde, das Fest Rosarii Mariae (auch heute noch Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz).
1483 war der Dominikanerpater Klemens Lossow Lektor im Johanniskloster. Das Amt des Lektors war eine herausgehobene und wichtige Position innerhalb des Klosters, besonders für einen Ordo studens, und Lossows Schriften waren offenbar im Reich weit verbreitet.
Sie wurden in Nürnberg nachgedruckt, empfahlen die Verehrung des Rosenkranzes in öffentlichen Predigten und die Stiftung einer Brüderschaft zu Ehren des Hl. Rosenkranzes.
1486 veröffentlichte er die Sermones Rosati, ein Buch, das sieben Predigten vom Rosenkranz der Hl. Jungfrau Maria und eine Predigt von der Empfängnis Mariens enthielt, die er 1484 auf Verlangen des Hamburger Dompropstes Albert Klitzing gehalten hatte.
Andere Ausgaben seiner Schriften beschäftigen sich mit der Legende der Hl. Anna, der Mutter Mariens, deren Altar in der Johanniskirche ebenfalls verehrt wurde.
Mit dem Rosenmotiv als Fries entlang der wichtigsten Schaufront wurde die Bedeutung des Hamburger Klosters als Hort der Lehre und einer besonderen Beziehung zur Hl. Jungfrau unterstrichen. Übrigens findet sich gleichzeitig ein ähnlicher Schmuckfries auch an der Burgkirche der Dominikaner in Lübeck vor.
Lesen Sie weiter: Einführung der Reformation durch Johannes Bugenhagen
Quellen
1. Festschrift 1900-2000: 100 Jahre St. Sophien
2. Ruth Schliemann, Die Bettelordensklöster St. Maria-Magdalena und St. Johannis, Hamburg, Dissertation Hamburg 2002
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